Kinderhaus am Mondsteinweg
Kinderhaus am Mondsteinweg

Ein Tag im Kinderhaus

Es ist acht Uhr. Julia wird gerade von ihrer Mutter aus dem Auto in den Rollstuhl gehoben, als auch Jan zum Kinderhaus am Mondsteinweg gebracht wird. Die beiden machen sich gemeinsam auf zum Eingang des Kinderhauses, das jeden Tag von 80 Kindern, davon Kinderzeichnungfünf mit unterschiedlichen Behinderungen, besucht wird. Es führt ein langgezogener, von Bäumen, Büschen und Hecken begrenzter Weg durch das Grundstück auf das Gebäude zu. Dieser Weg geht immer wieder an verschiedenen Erlebnisecken vorbei. Jan balanciert auf der schmalen Wegeinfassung, während Julia versucht, mit einem Schlegel dem hängenden Xylophon seine Töne abzugewinnen. Etwas weiter spielen einige Kinder in dem kleinen Tipi-Dorf Indianer. Neben dem Lehmbackofen liegen große Steine, auf denen sie Getreidekörner zu Mehl mahlen und im Spiel daraus ein Brot backen können.

Julia und Jan sind im Kinderhaus angekommen. Um den Kamin in der Eingangshalle sitzt schon ein kleineres Grüppchen Kinder mit Brigitte, der Erzieherin aus der "Sonnen"-Gruppe. Sie liest aus dem Buch "Wie der Große Bär an den Himmel kam" vor. Julia gesellt sich in ihrem Rolli zu ihnen. Jan läuft während dessen zurück nach draußen zur Wasserstelle, um nach zu sehen, ob dort noch alles beim Alten ist. Ihm fällt ein, wie er gestern im kleinen Bach ein Hölzchen schwimmen lassen und beobachtet hat, wie es sich vom Wasser treiben ließ, sich an manchen Stellen plötzlich im Kreise Aufrechter_Gangdrehte oder sich an anderen einfach für eine Weile ausruhte.

 

Der Aufrechte Gang Oben aus dem Türmchen über der Eingangshalle quillt das zerstreute Licht der Morgensonne und wirft seine Strahlen in den Raum. An vielen Kristallen und Prismen bricht es sich und zaubert so ein sich bewegendes Licht- und Farbenspiel an den Wänden.

Eine Stunde später. Die Kinder der "Mond"-Gruppe, zu der Jan und Julia gehören, treffen sich mit Kindern aus anderen Gruppen zu Angeboten, die von Erzieherinnen und einer Praktikantin betreut werden. Marianne ist mit Julia und vier anderen Kindern im Garten, wo sie Unkraut aus dem Erdbeerbeet jäten. Julia hockt mit den anderen auf dem Boden und wird immer etwas weiter gesetzt, wenn sie einen Bereich fertig hat. Derweil sitzt Jan mit einigen Kindern draußen an einem Tisch in der langsam wärmenden Sonne und knetet einen faustgroßen Tonklumpen. Er möchte ein Pferd töpfern, doch das ist sehr schwer. Die Erzieherin Angelika hilft ihm dabei. Andere Kinder spielen in ihrer Gruppenecke am Puppenhaus. Zwei Jungen und ein Mädchen mischen im Sandkasten "Beton", um ein Hochhaus mit Höhlengängen zu errichten.

Frühstückszeit. Die Kinder treffen sich in ihren Gruppenräumen und setzen sich an die runden Tische zum gemeinsamen Essen. Eine Erzieherin hat bereits mit größeren Kindern Brote geschmiert und Früchtetee gekocht, was nun genüsslich von allen verzehrt wird. Vielleicht, so meinte gestern Angelika, können wir im Sommer wieder selbstgekochte Erdbeermarmelade aus dem eigenen (Kinder)-Garten auf unsere Brote streichen.

Lehmofen (Zeichnung: Jürgen Schablow) Danach treffen sich die Kinder in einem Gruppenkreis. Sie singen gemeinsam ein Lied. Carlo hat "Backe, backe Kuchen" vorgeschlagen, denn aus der Küche des Kinderhauses dringt gerade der wunderbare Duft eines frisch gebackenen Apfelkuchens, den die Köchin Frau Siemens mit einigen Kindern backt. Nach dem Lied wird noch ein Gruppenspiel gemacht: "Mein rechter, rechter Platz ist frei" und Jan wünscht sich die Nina herbei - als Maus. Zwischen 12.15 und 12.30 Uhr werden viele Kinder von ihren Eltern abgeholt. Ungefähr 40 Kinder bleiben aber zum Mittagessen im Kinderhaus. Heute gibt es Pellkartoffeln mit Kräuterquark. Das Schnittlauch ist aus der Kräuterspirale im eigenen Garten. Ebenso stammen die Frühkartoffeln, die Maria mit Kindern zusammen gesetzt und geerntet hat, aus eigenem, natürlich biologischem, Anbau. Die Küche liegt mitten im Kinderhaus. Sie ist unser LebensMittelPunkt. Dort wird für die Kinder und mit den Kindern jeden Tag gekocht. Schon vormittags kann man die Düfte und Gerüche wahr-nehmen und raten, was es heute wohl geben wird. Vor der Küche hängen fünf Kinderschürzen. Kinder, die in der Küche helfen möchten, nehmen sich eine Schürze. Ist keine mehr übrig, so gilt dies als Zeichen, dass schon genügend Kinder in der Küche sind. Markus ist sauer, als er keine Schürze abbekommt. Schon wieder kann er nicht in die Küche. Still setzt er sich in eine Ecke und weint leise vor sich hin. Eine ErzieherinLehmofen wird auf ihn aufmerksam und versucht herauszufinden, was Markus so bedrückt. Als sie den Grund für seine Traurigkeit erkennt, nimmt sie ihn an die Hand, geht mit ihm in die Küche und klärt mit Frau Siemens, dass Markus in jedem Falle morgen mit in der Küche helfen darf.

Die ruhige Zeit beginnt um 13.00 Uhr. Im Ruheraum schlafen schon einige Kinder. Aus dem Wickelraum dringt noch das Schreien der kleinen Marie, die sich aber beruhigt, als sie die volle Windel los ist. Sie schläft gleich in ihrem kleinen Bettchen im Zwergenzimmer. Oben gibt es noch einen weiteren Schlafraum für die großen Kinder, die dort zum Teil ein bis zwei Stunden schlafen oder sich bei einer Vorlesegeschichte ausruhen.

Heute Nachmittag können die Kinder an den Vorbereitungen für die Zirkusaufführung teilnehmen, für die zur Zeit geprobt wird. Es werden kleine Kunststücke und Clownaufführungen, Pferde- und Raubtierdressuren und Akrobatik eingeübt. Wer heute hierbei keine Aufgabe hat oder dazu keine Lust hat, geht wieder nach draußen auf den Naturspielplatz: in den großen Sandkasten mit Wasserstelle, auf die Schaukel, zur Feuerstelle mit Brigitte, in eines der Weidenzelte, zur Hängebrücke, auf den Rutschenberg oder, in Begleitung eines Erziehers, in den Siek: das ist ein kleines Wäldchen, das zu unserem Grundstück gehört, durch das ein Bach läuft. Hier kann man plantschen, Wasser stauen, Baumhäuser bauen und vieles mehr.

Als er gegen vier Uhr abgeholt wird, findet Jan es schade, dass der Tag im Kinderhaus schon vorbei ist. Doch jetzt ist er auch ganz schön müde, denn so ein Kinderhaustag ist anstrengend. Genau wie seine Freundin Julia freut er sich auch riesig über das Wiedersehen mit seiner Mutter. Morgen geht es wieder ins Kinderhaus.

zurueck
zurueck

Kinderhaus am Mondsteinweg     Zirkonstraße 60      33739 Bielefeld     Telefon 05206/2817    Fax 05206/969009